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Emscher-Umbau: von der Quelle bis zur Mündung ein Gewinn für das Revier

Die renaturierte Emscher im Bereich des ehemaligen Hoesch-Geländes, in enger Nachbarschaft zum heutigen Phoenix-See in Dortmund-Hörde

Der Osterspaziergang am Emscherquellhof in Holzwickede, wo die Emscher erstmals das Licht erblickt, war Auslöser, sich der Emscher-Renaturierung und einer damit verbundenen, technischen Meisterleistung zu erinnern. Das damalige - und anlässlich der Bundesgartenschau ...

.. im Westfalenpark Dortmund 1991 beschlossene -  Versprechen der Emschergenossenschaft, den Menschen des Ruhrgebietes ihren Fluss und ihre Landschaft zurück zu geben, führt seitdem in langjähriger Pionierarbeit dazu, eine ehemals von Schwerindustrie und Bergbau geprägte Region im Bereich der Emscher ökologisch und abwassertechnisch für die Zukunft umzubauen und aus einem schmuddeligen Kanal, im Volksmund Köttelbecke, eine ursprüngliche Flusslandschaft und ein sauberes Gewässersystem zu machen.  

Die Industrialisierung des Ruhrgebietes hatte seinerzeit das Gesicht der Emscher verändert: die Montanindustrie machte eine offene, oberirdische Abwasserführung notwendig, da die bergbaubedingten Bergsenkungen bei unterirdischer Kanalisation die Rohre zerstört hätten, was dann zu einem oberirdischen, für Mensch und Tier nicht immer ungefährlichen Abwasserkanal zwischen Dortmund und Dinslaken führte. 

Heute - nach Beendigung der industriellen Phase - hat sich das Gesicht der Emscher erneut geändert: sie fließt wieder - von Betonhalbschalen und Abwässern befreit -  in einem grünen Bett fast wie vor 150 Jahren mäandernd durch das Revier, mit neuen Rückzugsgebieten für Tiere und Pflanzen. Das unterirdische Gewässersystem mit über 400 km Länge und mehreren Pumpwerken ersetzt die ehemals offene Abwasserführung. Ein durch Klimawandel und  die enorme Siedlungsdichte bedingter, moderner Hochwasserschutz sorgt für die Sicherheit der Bevölkerung.


Zulauf des Hörder Bachs in die Emscher nordwestlich des alten Hoesch-Magazins, einem heute denkmalgeschützten Wohnhaus mit rd. 50 WE  (Foto: Privat)

Der Umbau des Emschersystems mit 300 Teilprojekten – zum großen Teil unbemerkt von der Öffentlichkeit realisiert - ist das größte, wasserwirtschaftliche Infrastrukturprojekt Europas, wovon Mensch und Natur profitieren. Begleitend wurden städtebauliche, freiraumplanerische und architektonische Projekte entwickelt und erschlossen wie das in Oberhausen errichtete, größte Pumpwerk Deutschlands mit 44 m Tiefe und 50 m Durchmesser, der Berne-Park in Bottrop (vom Klärwerk zum Naherholungsgebiet), der Phoenix-See in Dortmund  (von der Stahlproduktion zum Wohn-, Arbeits- und Freizeitstandort) oder die behutsame Restaurierung des bewirtschafteten Emscherquellhofs.


Emscherquellhof in Holzwickede mit Emscherquelle​ (Foto: Privat)

Die nunmehr blaue Emscher ist ein großartiger Beitrag zur Verbesserung der ökologischen Situation, der urbanen Lebensqualität sowie der Freizeit- und Touristikgestaltung im Ruhrgebiet. Der genius loci vom Emscherquellhof kann wieder belebend auf das Revier einwirken und es empfiehlt sich, all die verschiedenen Abschnitte der Emscher offenen Auges zu besuchen.
G.B.

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Mit den Bürgern planen

Dortmunder U Turm

Beim morgendlichen Blick in die Zeitung fallen regelmäßig Einladungen zu kommunalen Bürgerversammlungen ins Auge, die bekanntlich das Ziel verfolgen, Anwohnern und interessierten Bürgern notwendige und geplante Veränderungen

im städtischen Wohnumfeld vorzustellen und zu diskutieren - wie Bebauungsplanentwürfe, Stadtteilrahmen-, Verkehrs-, Freiflächenpläne, öffentliche oder private Baumaßnahmen. Das ist eine spannende Angelegenheit – müssen doch in diesem Zusammenhang Behörden klug abwägen, Investoren vielleicht ihre Ziele überdenken oder Bürger mit den Folgen der Planung zurechtkommen. Spätestens mit der Planvorstellung beginnt dann auch die kontroverse Diskussion, wobei idealerweise alle Seiten – Bürger, Behörden, Investoren – im Planungsprozess aufeinander zugehen und als Ergebnis behördlicher Abwägung ein common sense gefunden wurde - lebendige Demokratie eben, bottom-up statt top-down.  

Bürgerbeteiligung ist lt. Baugesetzbuch in Deutschland bei raumbedeutsamen Planungen vorgeschrieben, um damit den Bürgern Gelegenheit zu geben, städtische Planung kennen zu lernen, Anregungen und Bedenken vorzutragen und sich in den planungspolitischen Entscheidungsprozess einzubringen. Auch über den rechtlichen Rahmen hinaus hat sich die Einbeziehung von Anwohnern in früher Planungsphase als sinnvoll erwiesen - sofern die Bürger nicht von selbst initiativ werden -, da Bürgerbeteiligung einen normativen Wert in der Planung darstellt und den Prinzipien der parlamentarischen Demokratie entspricht. Die dialogorientierte Planung hat sich in verschiedensten Formaten - Bürgerforen, Lifechats, Online-Ideenwettbewerbe, Ideensammlungen - etabliert und bewährt, trägt zur Bereicherung der öffentlichen Debatte bei, erhöht dieIdentifizierung der Bewohner, stärkt soziale Zusammenhänge, kann vermittelnd wirken und zur Befriedung von Konflikten und zur Legitimität von Planung beitragen - ist somit von System stabilisierender Wirkung.

Bei der Beteiligung der Bürger an demokratischen Entscheidungs- und Planungsprozessen können sich die Verfahren allerdings auch über Monate bis Jahre erstrecken, über große Zeiträume auf Diskussionsplattformen, in Medien und Versammlungen diskutiert und  scheinbar zerredet werden, auch zum Scheitern des Projektes führen. Unverkennbar sind Planungsprozesse mitunter zäh und mühsam, aber das wird gern in Kauf genommen - sind sie doch Synonym für Bürgernähe, Mitverantwortung und Interessenskollision verschiedener Konfliktparteien auf Augenhöhe, als zentrale Grundlage der Demokratie hoch geschätzt und durch kein anderes System dieser Welt ersetzbar. Erst im Vergleich erkennt man den wahren Wert.
G.B.

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Schwierige Zeiten – köstliche Ideen: Baukunstbuffet begeistert

Man sollte die Ausstellung nach dem Essen besuchen und das schlechte Gewissen hinsichtlich mangelnder Kenntnisse in Architekturgeschichte zu Hause lassen, denn sie ist (appetit-) anregend und macht einfach nur Spaß: das Baukunstarchiv NRW in Dortmund zeigt ...

... in seiner großen Eingangshalle Meisterwerke der Baugeschichte als kulinarisch nachgebaute Köstlichkeiten in Form von bunten Modellen mit Materialien aus Knäckebrot, Eishörnchen, Frischkäse, Bananen oder Lachsfilet und hat sogar - der örtlichen Presse sei Dank - neben der Fachwelt auch eingefleischte Hausfrauen und -männer zu einem Gang in das Baukunstarchiv gelockt. Nun wird zu Hause gebacken, gekocht, modelliert und nebenbei Baugeschichte studiert. Zum Beispiel verbergen sich hinter Installationen aus Champignons oder Honigkuchen mit Waffelschnitten berühmte Bauwerke wie die Kapelle in Ronchamp von Le Corbusier oder das Bügeleisenhaus in New York. Und so lassen neben vielen historischen Kostbarkeiten auch mancherlei Ikonen der Neuzeit die zahlreichen Besucher rätseln bis zum berühmten Aha-Effekt.  

Aber neben dieser vergnüglichen Ausstellung ist das Baukunstarchiv mit seinen großzügigen Räumlichkeiten und dem altehrwürdigen Charme immer ein Besuch wert: zu sehen ist weiter im Gartensaal die aktuelle Ausstellung von Frank Schultze, der die Transformation vom Phoenix-Stahlwerk zum Phoenix-See im Stadtteil Dortmund-Hörde mit einer Vorher-Nachher-Betrachtung über Jahre hinweg jeweils fotografisch festgehalten hat – die Bilder lassen den Betrachter einen Moment inne halten, staunen und reflektieren über den rasanten, erfolgreichen Wandlungsprozess dieser Location vom Industriestandort zur erfolgreichen Wohn-, Arbeits- und Freizeitmeile. 

Im oberen Umgang des Baukunstarchivs – als ehemaliges Landesoberbergamt (1872) selbst prominenter Zeuge des Strukturwandels -  zeigt uns die Dauerausstellung „Impulse“mehr oder weniger bekannte und erhaltene Exemplare zur Baukunst der Industriekultur des Ruhrgebietes. Unter den Themenbereichen Wohnen, Verkehr, Industrie, Wasser und Stadt werden z.B. die Werkssiedlung Eisenheim, das Schiffshebewerk Henrichenburg, die Zeche Zollverein oder das Speicherkraftwerk Herdecke gezeigt. Als Teil unserer eigenen Geschichte und ein Stück Heimatkunde auch unbedingt sehenswert!

Aber nicht nur die Ausstellungen, auch Vorträge, Diskussionsveranstaltungen oder Tagungen lohnen einen Aufenthalt. Aus gutem Grund - besondere Verweilqualität, gute Atmosphäre! - hat die VAA Vereinigung Angestellter Architektinnen und Architekten vor zwei Jahren im Gartensaal erfolgreich ihre Mitgliederversammlung durchgeführt. 

Zurück zum Baukunstbuffet: hier bietet sich eine Möglichkeit den Corona-Blues zu vertreiben, das Weltgeschehen für einen Moment zu vergessen und im Kosmos des Baukunstarchivs Kraft für die kommenden, großen Bauaufgaben zu tanken. - Es fehlte dem Besucher nur die echte Torte, vielleicht auch der Capuccino. Aber nichts ist unmöglich.  
G.B.

 

 

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VAA-on-tour: Soester Wiesenkirche mit Museum, Turmauffahrt und Dombauhütte

Foto: (C) Michael Krämer Genehmigung siehe unten

In diesem Jahr kann endlich wieder eine VAA-on-tour-Veranstaltung stattfinden! Die VAA Vereinigung Angestellter ArchitektInnen hat in der Vergangenheit dabei gern auf ...

... aktuelles oder historisches Baugeschehen zurückgegriffen wie die Besichtigungen der neuen Moschee Köln, der Krefelder Bauhausvillen oder der Essener Margarethenhöhe. In diesem Jahr steht ein weiteres architektonisches Highlight auf dem Plan, und zwar der Besuch der 700 Jahre alten Kirche St. Maria zur Wiese im westfälischen Soest. Vorgesehen ist unter fachkundiger Führung der zwei Steinmetzmeister Stefan Stubenhofer und Markus Schulze die Besichtigung des Kirchenraums, des Museums, des Kirchturms und der Dombauhütte.

Als Ausdruck des hanseatischen Bürgertums im Mittelalter prägt die mächtige, gotische Hallenkirche mit der weithin sichtbaren Doppelturmanlage, den hohen Fensteröffnungen und den filigran gearbeiteten, schlanken Pfeilern nach wie vor den Norden der historischen Altstadt. Ein wahrhaft prächtiges Juwel gotischer Kirchenbaukunst mit einzigartigem, grünem Mergelkalkstein und vielen Überraschungen der Kunstgeschichte. So beherbergt der lichtdurchflutete Innenraum unter weit gespannter Wölbung die brillant restaurierten, mittelalterlichen Kirchenfenster u.a. mit dem berühmten Westfälischen Abendmahl, weiter den dreiflügeligen Hauptaltar des Meisters Conrad von Soest, den Marienaltar, ein englisches Alabasterrelief aus dem 14. Jahrhundert und die Statue der Westfälischen Madonna. Die berühmteste der westfälischen Hallenkirchen ist ein Gesamtkunstwerk, das bezaubert und eine Besichtigung lohnt. 

Leider ist sie jedoch auch vielen Umwelteinflüssen ausgesetzt, die den Stein verwittern lassen, die Statik bedrohen und die Substanz gefährden, so dass eine aufwändige, kostspielige Dauerbaustelle erforderlich ist. Bei der Besichtigung der Kirche, des Turms, des Museums und der Werkstatt sollen all diese Facetten betrachtet werden. Die VAA würde sich freuen, Mitgliedern, Freunden und Interessierten diese Thematik näher bringen zu dürfen, denn es geht um die Schönheit der Kirchenbaukunst und den Erhalt dieses einmaligen, kulturellen Erbes für die Nachwelt. 

Für Mitglieder und Gäste der VAA wird vor Ort eine Spende für den Restaurierungsbedarf der Wiesenkirche von 20 €/ p.P. eingesammelt. Anmeldungen für die Besichtigung und das anschließende, gesellige Beisammensein werden erbeten bis zum 12.08.22. unter „info@vaa-nrw.de“. 

Das Treffen zur Besichtigung ist am Samstag, den 20.08.2022, 13.30h vor dem Südportal der Wiesenkirche, Wiesenstr. 26. Die Führung dauert 3 Stunden und findet in 2 Gruppen statt. Anschließend besteht in der historischen Altstadt in sommerlicher Atmosphäre die Möglichkeit zum kollegialen Austausch mit geselligem Ausklang.

GB
Foto: (C) Michael Krämer Genehmigung

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Termin Mitgliederversammlung 2022 aktualisiert

Mitgliederversammlung

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

vor einiger Zeit hatten wir Ihnen mitgeteilt, dass aufgrund der anhaltenden Pandemie sowie Terminkollision unsere Mitgliederversammlung verschoben werden muss, geplant war dies noch vor den Sommerferien.

Nun hat der Vorstand der AKNW in seiner letzten Sitzung beschlossen, berufspolitische Anträge zur Vertreterversammlung von allen Verbänden rechtzeitig einzureichen sind, damit diese von der Geschäftsstelle gesichtet und mit ausreichender Zeit bearbeitet werden können. Die bisherige Praxis hatte im letzten Jahroffensichtlich zu erheblichen Irritationen geführt.

Die neue Sachlage hat der Vorstand der VAA eingehend diskutiert und nunmehr beschlossen, Anträge in der Vertreterversammlung der AKNW aus unseren Reihen in der VAA-MGV zu behandeln, da hier i.d.R. alle VVS-Mitglieder anwesend sind. Lassen Sie uns diesen Versuch starten und dessen Praktikabilität testen. 

Somit wird unsere MGV erstmalig nicht mehr vor der Sommerpause, sondern am 

 

Samstag, 10. September 2022, 10:00 Uhr in Oberhausen
im Oberhausener Bert-Brecht-Haus (VHS), Paul-Reusch-Str. 36, 46045 Oberhausen

 

stattfinden. Bitte planen Sie diesen Termin schon mal ein.

Demnächst möchten wir unsere berufspolitischen Stammtische wieder aktivieren, welche möglichst Mitgliedernah in verschiedenen NRW-Regionen stattfinden werden. Beginnen wollen wir im Mai in Düsseldorf. Eingeladen werden alle Mitglieder, welche in akzeptabler Nähe ihren Wohnort oder Arbeitsplatz besitzen. Die Anfrage wird per Doodle erfolgen.

Hinweisen möchte ich schon jetzt auf das Sommerfest der AKNW am 23.06.2022 in den Rheinterrassen in Düsseldorf, bei dem wir uns in möglichst großem Kreis und lockerer Atmosphäre austauschen können.

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ohne Worte ...

ohne Worte ...

Unsere Dörfer haben Zukunft

Stadtnahe, ländliche Gebiete erleben gerade einen regen Aufschwung – und dies nicht nur wegen der immer weiter steigenden Mietpreise in den Metropolen. Immer mehr Menschen fasziniert, was in dörflichen Strukturen gelebt werden kann. Das Gemeinschafts-Prinzip, wonach viele in der Stadt suchen, ist mehr als die Sehnsucht nach der „Ökokommune“ und ist schon seit je her in dorfähnlichen Strukturen zu finden.

Während Städter nach dörflichen Verbundenheitsformen suchen, halten urbane Lebensstile und Themen dort bereits Einzug. Weltoffenheit, Kreativität, digitale Vernetzung und Diversität sind längst nicht mehr nur den urbanen Zentren vorbehalten und viele Eigenheiten des Städtischen nicht mehr „stadtgebunden“. Neueste Entwicklungen wie Home-Office und dezentrales Arbeiten reduzieren die Pendelzeiten, selbstfahrende Autos können in Zukunft zu mobilen Büros werden.

Doch wie schafft das Dorf die wirtschaftliche und infrastrukturelle Basis, um autark, zukunftsfähig und vor allen möglichst klimaschonend zu sein? Gute Nachrichten: Nirgendwo bestehen bessere Möglichkeiten für eine regenerative Energieversorgung, als auf dem Land.  Schon seit einiger Zeit werden in den Gemeinden Modelle von Effizienz und Nachhaltigkeit erprobt und optimiert. Viele Dörfer in NRW besitzen dafür bereits die wirtschaftliche und infrastrukturelle Basis. Dabei wird die Nutzung von Biomasse, Erdwärme, Wind- und Sonnenenergie potenzielle Grundlage für neue Wertschöpfung im ländlichen Raum sein.  

Wichtig ist dabei, die Energie immer genau dort verfügbar zu machen, wo sie gerade benötigt wird. Vernetzte Messgeräte können das schon heute und sorgen dafür, dass überschüssige Energie zunächst z.B. in den Akkus der Elektroautos landet, um so das Netz zu entlasten. Doch für ein intelligentes Stromnetz - als Voraussetzung für die neuen Arbeitsmodelle - ist die digitale Vernetzung räumlicher Peripherie Voraussetzung. Noch entspricht hier der Breitbandausbau nicht dem der Stadt, doch dieses Problem dürfte sich durch den neuen Breitband-Standard 5 G bald erledigt haben. Diese Infrastruktur wird vieles möglich machen, und somit den Gemeinden wieder eine mannigfaltige Zukunft geben.

Für uns heißt das auch, genau hinzuschauen, wo Bestand ungenutzt ist und erweitert werden kann, wo moderne Wohnformen die Gemeinden bereichern und wiederbeleben können. Das Thema Flächenversiegelung ist dabei gut abzuwägen, wobei berücksichtigt werden sollte, dass das Homeoffice auch direkt zur Verringerung der Büro- und Infrastrukturfläche beiträgt. Helfen wir dabei, mit neuen Konzepten das jeweilige Dorf-Potenzial zu nutzen, Chancen voranzutreiben und bei der Neuausrichtung und der Zukunft unserer Dörfer mitzuwirken.       

PB

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70. Geburtstag Klaus Brüggenolte und 75. Geburtstag Eric-Michael Wollesen

Klaus Brüggenolte + Eric Wollesen

Die Mitglieder der VAA gratulieren ihrem Vorsitzenden Klaus Brüggenolte, der am 19. April seinen 70. Geburtstag feiern konnte und ihrem Ehrenvorsitzenden Eric-Michael Wollesen zu seinem 75. Geburtstag am 06. Mai ganz herzlich und wünschen für die kommenden Lebensjahre alles Gute und beste Gesundheit.

50 Jahre VAA

„A 6 Freie Liste Angestellter Architekten“ – Wahlplakat 1979

Im Jahr 1971 informierte der Wuppertaler Architekt Kisler seine Mitarbeiter über  die geplante Gründung der AKNW und war der Meinung, dass sich dort nicht nur freischaffende, sondern auch angestellte Architekten engagieren sollten. Seine Mitarbeiter Greef und Zimmermann beschlossen daraufhin,

bei der I. Kammerwahl als Angestellte für die freie Wählerliste “Angestellte Architekten (AA)“ zu kandidieren: beide wurden in die Vertreterversammlung gewählt - der Grundstein zur ersten, freien und unabhängigen Angestelltenvertretung in der AKNW. Immerhin waren die Hälfte der Kammermitglieder angestellte Architekten! Es entwickelte sich eine gute Zusammenarbeit mit dem Präsidenten Volkmann und den beiden Vizepräsidenten Beu und Rosini. 

Zur Wahl der II. Vertreterversammlung 1975 trat die Liste „AA“ mit 19 Kandidat*innen an, von denen 15 gewählt wurden, Greef wurde in den Kammervorstand gewählt, weitere 9 Kolleg*innen in die Ausschüsse. Bei der III. Vertreterversammlung 1979 kandidierten bereits 28 Kolleg*innen bei der “A 6 Freie Liste Angestellter Architekten“. Sie engagierten sich im Bereich der Erweiterung der AKNW-Richtlinien zu Berufsgrundsätzen wie Förderung der Fortbildung, Abschluss von Arbeitsverträgen für Angestellte, soziale Verpflichtung des Arbeitgebers und Zulassung von angestellten Architekten in den Teilnehmerkreis bei Wettbewerben. 

1985 wurde dann die “Vereinigung Angestellter Architekten (VAA) e.V.“ gegründet, da ein Verband als rechtsfähige Organisation besser in der Lage ist, berufsständische Arbeit innerhalb der etablierten Verbände der freischaffenden Architekten zu leisten und die Interessen der Angestellten durchzusetzen. Mit der Verbandsgründung wurde so erstmals eine geschäftsfähige und eigene Berufsorganisation für angestellten Architekten geschaffen! Die Kammerwahl 1987 war mit 31 gewählten Mitgliedern in der VVS ein weiterer, großer Erfolg für die VAA. In der Folgezeit wurde auch das Verbandsemblem weiterentwickelt: es entstand ein modernes, dynamisches Logo bis zu seinem endgültigen Erscheinungsbild 2005, das heute noch (s.o.) aktuell ist. Nachdem die Kammer nämlich das gespiegelte A im VAA-Logo (s.u.) untersagt hatte, entwickelte der Kollege Burchardt das Neue. Somit konnte die Ähnlichkeit mit dem Kammer-Logo aufgehoben werden. 

Da sich die VAA aufgrund ihrer Wahlerfolge mittlerweile zum viertstärksten Verband in der Kammer entwickelt hatte, schien es für die VAA nach der Wahl 1991 konsequent, die Stelle  eines dritten Vizepräsidenten zu fordern, um die gestärkte Position der VAA auch im Kammerpräsidium berücksichtigt zu sehen. Der Wunsch auf Vergrößerung des Präsidiums stieß jedoch nicht bei allen Kolleg*innen der anderen Verbände auf Zustimmung, da diese nicht die “Machtzentrale Präsidium“ vergrößern wollten. Woraufhin es in der Versammlung  zu erregten Diskussionen kam. Letztendlich wurde zugunsten des VAA-Antrags entschieden und bei den nächsten Vorstands- und Präsidiumswahlen der damalige VAA-Vorsitzende Schlüter zum dritten Vizepräsidenten gewählt. Damit hatte  die VAA ihrer Größe entsprechend ihren Einfluss im Präsidium durchgesetzt. Bei der Novelle des Architektengesetzes wurde diese Änderung vom Landtag entsprechend mitbeschlossen.

1995 konnte die VAA im Rahmen der „Jubiläumsveranstaltung 25 Jahre VAA“ an einem Wochenende in Bonn auf eine erfolgreiche Entwicklung der Verbandsarbeit zurückblicken. Die damit verbundene Mitgliederversammlung und das traditionelle Kulturprogramm trugen zur weiteren Stärkung des Verbands bei und ließen auf eine spannende Perspektive im berufs- und gesellschaftspolitischen Bereich mit interessierten, engagierten Mitgliedern blicken. Zu diesem Zeitpunkt gab es bereits mehrere weibliche Vorstandsmitglieder. 

In der Folgezeit entwickelte sich die VAA bis 2020 zur drittstärksten Kraft in der Kammer. Nach wie vor wird einer der Vizepräsidenten der Kammer von der VAA, Klaus Brüggenolte, gestellt. Im Zuge der Digitalisierung fand der Verband frühzeitig Zugang zu Internet, face-book und instagram, was die Zusammenarbeit enorm erleichtert. 

Die VAA ist von gutem Zusammenhalt geprägt, wurde zuletzt jünger und weiblicher, vertritt nach wie vor die Interessen der angestellten und beamteten (Innen-)Architekt*innen, Stadt- und Landschaftsplaner*innen und stellt eine starke, integrative Kraft in der AKNW dar.

 JM.GB.

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Flutkatastrophe - Leid, Verlust - Zukunft neu denken

Hochwasser

Die Flutkatastrophe an der Ahr und in mehreren Regionen des Rheinlands und Westfalens liegen nun einige Wochen zurück. Für die betroffenen Menschen hat diese für Unbetroffene kaum vorstellbares menschliches Leid gebracht. Unser aller Wunsch ist es, dass die Menschen dort Kraft und Zuversicht für  einen Neubeginn finden.

Die Architektenkammer hat mit schnellen Hilfsangeboten die Unterstützung zu leisten versucht, die für die Kammer möglich war. Das war gut und sicher in vielen Fällen hilfreich. 

Vielen Menschen ist das, was ihre Heimat ausgemacht hat, weggeschwemmt und von den Wassermassen verschluckt worden. Erklärtes Ziel muss es deshalb bleiben, soviel wie möglich der verlorengegangenen  Heimat zu erhalten und wiederaufzubauen. Für den baulichen Bereich der Gebäude, Straßen, Schienen und Infrastruktur bedeutet dies mit geschätzten Kosten von 13 Mrd. Euro allein in NRW einen noch nicht abzusehenden Kraftakt. Erschwerend kommt hierbei hinzu, dass viele lokale Handwerksunternehmen, die einen großen Teil des Wiederaufbaus leisten wollen und sollen, selbst durch die Flutmassen geschädigt wurden.

Letztlich müssen neben und zeitgleich mit diesem notwendigen baulichen  Kraftakt aber auch die Ursachenforschung und Maßnahmen zur zukünftigen Vermeidung mit gleicher Intensität betrieben werden. Ohne sich dem Vorwurf eines vorschnellen Urteilens auszusetzen, kann mit hinlänglicher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass der menschengemachte Klimawandel und eine zu intensive bauliche Nutzung und Versiegelung im Umfeld der Gewässer mitentscheidend für die Katastrophe waren.

Hier wird auch die Architektenkammer Position beziehen müssen. Es  sind geeignete Maßnahmen aufzuzeigen, die eine effektive CO2-Reduktion und wassersensibles und klimaresilientes  Planen und Bauenermöglichen und  die damit helfen können, solche Katastrophen zu vermeiden.

Die Kolleginnen und Kollegen der VAA werden helfen, dies durch ihre Arbeit in den Ausschüssen der Kammer zu unterstützen.

Vielleicht gelingt es so, den Wiederaufbau in den betroffenen Regionen als Muster für den Umbau auch in anderen, heute nicht betroffenen Dörfern und Städten unseres Landes zukunftsweisend und nachhaltig zu gestalten.

VAA/M.K.

 

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